Sr. Veronika

Berufungsgeschichte von Sr. Rosalie Blome
So ganz anders und doch für die heutige Zeit normal.....
Gottes Geist weht wo er will, auch in Familien die nicht kirchlich orientiert sind gibt es Berufungen! Da meine Eltern konvessionsverschieden waren bin ich zwar liebevoll umsorgt aber nicht christlich erzogen worden. Die christlichen Traditionen sind mir nicht in die Wiege gelegt worden. Taufe und Erstkommunion waren geeignete Familienfeste wo es die Möglichkeit gab die Verwandtschaft zu sehen und Neuigkeiten auszutauschen, mehr aber auch nicht.

So richtig mit dem Glauben in Berührung gekommen bin ich während meiner Firmvorbereitung. Ich dachte mir, wenn du schon zu etwas ja sagst dann stehe auch dazu. Meinen Eltern war es natürlich schon etwas suspekt, als ich plötzlich Sonntags morgens das gemütliche Familienfrühstück gegen die Sonntagsmesse eintauschte. Diskussionen gab es keine, denn glaubwürdige Argumente gegen  den Gottesdienst hatten sie eigentlich nicht.

Grossen Rückhalt bekam ich aus meiner Gemeinde. Die christliche Jugendarbeit war sehr lebendig und so fand ich Freunde und Wegbegleiter. Ich lernte Verantwortung nicht nur für meinen eigenen Glauben zu übernehmen sondern fand auch immer mehr meinen Raum, Kirche selbst mitzugestalten bei Jugendgottesdiensten oder Jugendwallfahrten. Da in unserer Gemeinde die Regionalstelle für kirchliche Jugendarbeit ansässig war, konnte ich mit anderen jungen Menschen nach Taize, Israel und Santjago de Compostella reisen. An diesen Orten lernte ich auch erst richtig beten. Jesus wurde ein Freund, doch er wollte mehr sein!

Es stand die Berufswahl an und die Diözesanstelle Berufe der Kirche wurden mir über Jahre hinweg wichtige Impulsgeber, Mitbeter und Wegbegleiter.

So hatte ich auch erste Kontakte nach Untermarchtal und war regelmäßig zu Besinnungstagen dort.

Ich machte ein freiwilliges soziales Jahr bei einer katholischen Sozialstation.

War es Zufall, dass die Pflegedienstleitung eine Vinzentinerin war?

Ich spürte, Gott kam mir „gefährlich“ nahe und doch die Frage ist dies wirklich mein Weg?

Ich machte mit Freude meine Krankenpflegeausbildung, liebte das Leben, genoss alle Freiheiten eines jungen Menschen, viele Reisen, ein eigenes Auto, eine eigene Wohnung. Eigentlich hatte ich alles um glücklich zu werden.

Wirklich alles?
Immer wieder stellte ich mir die Frage, wohin führt mein Weg, was soll ich tun?

Meine Eltern, besonders mein Vater spürten die Veränderung und hatten Angst mich zu verlieren. Sie drohten mit dem Abbruch aller Kontakte, was half, dass  ich eine Zeit lang wieder die brave Tochter war, die gehorsam den Willen der Eltern erfüllte. Die Jahre vergingen, ich lebte mein Leben, die Frage blieb, war das wirklich alles? Dann ging ich in Exerzitien und dort bekam ich meine Antwort. Zu müde, um immer wieder zu fragen, wohin führt mein Weg überließ ich es Gott mein Leben zu lenken. Dies war der Augenblick an dem ich wusste an welchem Ort und zu welcher Lebensform Er mich ruft. In einem Satz ausgedrückt: Ich habe Gott jahrelang gesucht bis Er mich gefunden hat! Als meine Eltern sahen, wie glücklich ich war, akzeptierten sie meinen Weg, verstehen konnten sie es nie, aber die Liebe ist ja bekanntlich höher als der Verstand!

An meiner Profess erzählte mir mein Vater eine Geschichte die mich bis heute tief bewegt. Meine Großtante war auch Ordensschwester, ich kannte sie persönlich nicht, aber mein Vater hat mir erzählt, dass sie mich an meiner Taufe auf dem Arm hatte und sagte, das gibt einmal eine Ordensschwester. Vielleicht ist es ihrem Gebet zu verdanken, dass Gott mich nach Untermarchtal führte.